DIE RHEINPFALZ

10. Oktober 2001

 

Ein Märchen von meinem Onkel aus Finnland, jenem Land, in dem auch der Weihnachtsmann erfunden wurde.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit auf Planet Erde lebenden Personen wären rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Von Mikka M. Käntinnen

Die Mär von dem geizigen alten Mann aus Maerika, der die Welt erobern wollte.

Es war einmal ein vergrämter Mann, der lebte in einem Land namens Maerika. Er war so geizig, dass er niemals einen Silberling seines Vermögens ausgab, und so skurril, dass ein Comiczeichner ihn zum Vorbild für Bildergeschichten nahm, die sehr berühmt wurden. Der Name des Mannes war John Dagobert Rübenfeller, der Zweite. Man nannte ihn "der Zweite" weil sein Vater schon denselben Namen getragen hatte. Jener zog dereinst mit einem Pferdekarren über das Land und verkaufte Leichtgläubigen schwarz-dreckiges, stinkendes Öl aus Steinen, so genanntes Petro-Oleum, als Wundermittel gegen Warzen. Und weil sein Vater so ein armer Schlucker war, schwor sich Dagobert, der reichste Mann der Welt zu werden. Das gelang ihm auch. Er baute ein riesiges Unternehmengebilde aus vielen, vielen Firmen auf, und seine Petroleumfirma wurde gar so mächtig, dass der damalige Präsident des Landes Maerika verfügte, die Firma müsse in kleine Teile zerschlagen werden. Das machte den alten Mann so verbittert, dass er einen Schwur ablegte, so reich und mächtig zu werden, dass er der mächtigste Mann der Welt werden würde, so dass er es dem Präsidenten heimzahlen könne und eines Tages so reich wäre, dass ihm die ganze Welt und alle Politiker als Besitz gehören würden.

Und weil sein Wunsch so tief in seine Seele gebrannt war, wurde er fast so alt wie die Steine, aus denen er sein Öl gewann. An seinem Sterbebett musste sein Sohn - es war John Dagobert Rübenfeller, der Dritte - ihm bei allen Heiligen versprechen, dass er des Vaters Schwur erfüllen würde. Und der Dritte baute die Macht des Familienimperiums weiter aus, gründete Banken und Versicherungen, investierte in eine Firma die das schwarze Öl mit Zucker und einer Droge vermischte und es als Nationalgetränk verkaufte, und so machte er noch viele unglaubliche Dinge mehr. Der Dritte hatte fünf Söhne, einer davon hieß natürlich wieder John Dagobert - der Vierte - doch sein Bruder Dovid übertrumpfte ihn. Und auch Bruder Nilson hätte es gar fast selbst zum Präsidenten des Landes Maerika gebracht. Inzwischen war die Familie so reich geworden, dass ihnen ein pivates Gelände (in der Nähe der reichsten Stadt der Welt, Neu-Kork) gehörte, das fast so groß war wie ein Land im Land. Ihnen gehörten private Flugzeuge und Schiffe, sie hatten über 3.000 private Hausangestellte und besaßen die größten Banken und Börsenfirmen.

Inzwischen war die Familie auch so mächtig und erfinderisch, dass sie sich immer neue Kniffe ausdachte, um alle Menschen und ihre Regierungen zu unterwerfen. Sie hatten es z.B. durch eine List geschafft, den Menschen das Gold als Zahlungsmittel wegzunehmen und es durch wertloses Papier zu ersetzen, das sie selbst bedruckten, um es dann den Regierungen gegen Zinsen auszuleihen. Und weil alle Regierungen bei ihnen verschuldet waren, erpressten sie sie, säumige Schuldnerländer zu überfallen und gegen sie in Kriege zu ziehen, dafür Geld bei ihnen zu leihen, Waffen bei ihnen zu kaufen und das jeweilige Land auszuplündern, um die Schulden zurückzuzahlen. Durch die Zinsen kam es, dass die Menschen immer mehr schuften und schuften mussten, und dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer wurden.

Damit die Menschen keine Aufstände machten, förderten sie den Konsum von etwas, das man Drogen oder Medikamente nannte, was ganz im Sinne des ersten Familienoberhauptes völlig nutzlos, ja sogar gesundheitsschädlich war und die Sinne vernebelte. Sie machten dazu Menschen in armen Ländern noch ärmer, damit diese dazu gezwungen wurden, die Drogenpflanzen für sie anzubauen. Neue Erfindungen machten es auch möglich, Drogen künstlich herzustellen. Und so hatten sie bald ein Monopol auf alle Drogen und Medikamente, was ihnen den großen Vorteil brachte, dass sie die Menschen der Welt betäubten, hypnotisierten, willenlos und abhängig machten.

Um ihr Drogenmonopol zu schützen, gründeten sie einen Geheimclub, den sie Rübenfeller-Intelligenz-Agentur nannten, kurz RIA. Dieser Club sammelte alles Wissen über alle wichtigen Menschen der Welt, damit diese jederzeit erpressbar wären. Und sie organisierten eine Weltpolizei, Interbull, die den Drogenhandel für sie abwickelte. Der RIA wurde immer mächtiger und inzenierte bald überall auf der Welt Kriege, um die Macht der Rübenfellers zu vergrößern.

Als ein Präsident, den das Volk sehr liebte, ihnen auf die Schliche kam, und das Papiergeld wieder zu echtem Geld machen wollte, ließen die Rübenfellers ihn durch ihren RIA-Club ganz schnell erschießen, schoben die Schuld aber auf einen anderen, den sie dann auch gleich wieder erschießen ließen.

Damit alle glaubten, dass sie Wohltäter seien, dass ihre Drogen gut seien, dass ihr Petroleum das einzige Mittel sei, um moderne Gefährte, Schiffe und Flugzeuge zu betreiben, kauften sie nach und nach alle Zeitungen und Fernsehsender der Welt auf, um den Menschen widersprüchliche und falsche Meinungen einzutrichtern, damit diese nicht mehr in der Lage wären, selbst zu denken.

So beherrschten sie fast den ganzen Globus, doch eben nur fast. Denn auf der anderen Seite des großen Ozeans gab es eine Familie, die ebenfalls sehr reich und mächtig und noch gerissener war als sie. Das waren die von Tothschilds. Und noch acht weitere einflussreiche Familien gab es. Doch das war nicht der schlimmste Schrecken für die Rübenfellers.

Ein viel schlimmerer Dorn in ihrem Auge war ihnen die Religion des Weislam. Der gehörten eine Milliarde Menschen an, ein Sechstel der terranianischen Bevölkerung. Diese Menschen wollten sich nicht unterwerfen, sie lehrten ihren Anhängern, sich zu verteidigen, kein Geld gegen Zinsen zu verleihen oder auszuleihen und keine Drogen zu nehmen. Die Länder des Weislams verfügten zudem über riesige Vorräte an Petroleum, was für die Rübenfellers einerseits eine große Gefahr, andererseits aber auch eine große Verlockung darstellte.

Und so kam es, dass sie wieder einmal einen teuflischen Plan ausheckten. Sie ließen ihren RIA einige Flugzeuge entführen und sie in jene Gebäude donnern, die den Einwohnern Maerikas am wichtigsten waren. Es gab viele Tote und großes Gejammere. Über ihre Zeitungen und Fernsehsender ließen sie den Menschen einreden, es seien die Bösesten der bösen Weislamisten gewesen, die den Schrecken vollbracht hätten, und ganz schnell waren (fast) alle Menschen auf der Welt ganz arg böse auf die bösen Weislamisten und wollten einen Krieg gegen alle "Terroristen" - wie sie sie nannten - anzetteln.

Wie immer verkauften die Rübenfellers ihre Waffen vermehrt an alle Länder - natürlich auch an die, die angegriffen werden sollten - damit der Krieg auch ja schön lange dauern würde. Als Hauptland hatten sie sich ein armes, armes Land in der bergigen Wüste von Mittel-Osien ausgesucht. Und als Hauptverdächtigten den Führer des Osiatischen Landes Kannixverstan. Ganz schnell verbreiteten sie wilde Gerüchte über den Führer mit dem lustigen Namen "Osien bin ver Laden worden". Alles schien zu klappen: Durch die Gefahr eines Krieges konnten sie ihr Petroleum teuer verkaufen, die Regierungen machten noch viel mehr Schulden bei ihren Banken, der Präsident wollte das Land Kannixverstan angreifen, um an die dortigen Petroleumvorräte zu kommen und die großen Anbaufelder (die größten der Welt) für eine Hauptdroge namens "Schnee" zu erobern. Weil die Menschen fürchterliche Angst vor einem weltweiten Krieg mit gefährlichen Waffen hatten, waren sie einverstanden, dass ihre Freiheiten, die sie bis dahin hatten, abgeschafft wurden. Man sagte ihnen, dies sei notwendig, um die "Terroristen" fangen zu können. Und alle glaubten es, weil sie so viele Drogen und Medikamente eingenommen hatten und so viel Fernsehen gesehen und Zeitungen gelesen hatten.

Doch der RIA hatte viele Fehler gemacht. So gab es z.B. viele, ganz schreckliche Widersprüche, in die er sich verwickelte, und plötzlich wollten die Menschen den Erzählungen keinen Glauben mehr schenken. Sie schrieben Tausende von Briefen und Nachrichten an den Präsidenten von Maerika, an die Zeitungen, die Fernsehsender und die Politiker. Und die Angst vor dem Krieg machte sie stark. Sie standen auf und wehrten sich. Plötzlich waren die ersten Medien nicht mehr gehorsam und erzählten den Menschen von Terranien die Wahrheit. Dies gab einen großen Skandal und die Wut war unermesslich. Bald aber hatten die Menschen verstanden, dass nur die Wahrheit und das Verstehen die Welt retten kann. Sie verziehen den bösen Familien, gründeten ihre eigenen Banken mit eigenem Geld, erfanden neue Energiemethoden und begannen sich selbst zu verwalten. Eine große neue Religion des Friedens und der Weisheit half den Menschen dabei, diese schwierige Zeit zu meistern. Und auch der Weislam ging gestärkt aus der Phase seiner schwersten Not hervor.

Fast wäre der Schwur des verknöcherte, alten Mannes also in Erfüllung gegangen. Doch eben nur fast. Und so kam es, dass die Überlieferung dieser Geschichte zu allen bewohnten Sternen des Weltalls hinaus drang, um den Unterdrückten in anderen Galaxien frohe Kunde zu bringen und Mut zuzusprechen. Und die Menschen auf Terranien lebten glücklich alle Tage, bis sie in eine höhere spirituelle Dimension aufstiegen.


Änderungsstand: 25. Oktober 2001 - Copyright © 2001 by Andreas Groß, Schweiz
Bitte Informieren Sie uns über Änderungen oder Fehler